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Ein Geschädigter hat das Recht zur freien Wahl eines eigenen freien Sachverständigen

AG Pfaffenhofen a.d. Ilm, Urteil vom 15.12.2017, AZ. 1 C 841/17

Praxis

Das AG Pfaffenhofen weist die Kürzungsstrategie der beklagten Kfz - Haftpflichtversicherung zu Recht zurück, da diese gegen zahlreiche vom BGH aufgestellte schadenrechtliche Grundsätze verstößt. Es wird darauf hingewiesen, dass ein Geschädigter weder gegen seine Schadenmi nderungspflicht verstößt, wenn er nicht einen günstigeren, vom Schädiger vorgeschlagenen Sachverständigen beauftragt. Der Geschädigte hat das Recht zur Wahl eines freien Gutachters seines Vertrauens.

Zudem ist es bereits aus Sicht des Geschädigten überaus zweifelhaft, ob er von einem im Lager des Schädigers stehenden Sachverständigen tatsächlich ein unabhängiges Gutachten erwarten kann (vgl. auch Urteile des AG München vom 31.07.2017 , AZ: 343 C 7821/17 und vom 20.09.2017, AZ. 322 C 12124/17).

Hintergrund

Die Parteien streiten über restliche Sachverständigenkosten für ein Unfallschadengutachten. Auf den Rechnungsbetrag in Höhe von 561,40 € brutto zahlte die Beklagte lediglich einen Teilbetrag von 280,00 €. Zur Begründung trägt die Beklagte vor, der Geschä digte sei darauf hingewiesen worden, dass ein Gutachter der Firma SV - Net ein Gutachten zum Festpreis von 280,00 € brutto inklusive Nebenkosten erstellen kann.

Der hiergegen gerichteten Klage wurde vollumfänglich stattgegeben.

Aussage

Das A G Pfaffenhofen stellt klar, dass es der Klägerin freistand, einen eigenen Sachverständigen zu beauftragen und ihr Anspruch auch nicht auf 280,00 € begrenzt war. Es führt hierzu mit klaren Worten aus:

„ Die Beklagte meint, dass sie aufgrund der an den Kläger übersandten Liste von Sachverständigen, die über SV - NET erreichbar wären, Einfluss auf die Auswahl des Sachverständigen nehmen konnten, jedenfalls mindestens den Kläger als Geschädigten „bösgläubig“ im Hinblick auf die Sachverständigenvergütung zu machen, da unter SV - NET durch die Beklagte vermittelte Sachverständige zu einem Festpreis von 280,00 € unabhängig von der Höhe des Sachschadens ein Gutachten erstatten würden.

Problematisch erscheint hier schon, unter welchen Bedingungen hier dieser „Festpreis“ von der Bekla gten mit den Sachverständigen von SV - NET ausgehandelt wurden. Offen wurde dies jedenfalls nicht kommuniziert.

Problematisch erscheint weiterhin, dass auf diese Weise unter SV - NET gelistete Sachverständige nicht gewählt werden dürften. Problematisch erscheint darüber hinaus, dass auch der freie Sachverständige dann sich indirekt dem Diktat des in SV - NET „vereinbarten“ Pauschal - Festpreises unterordnen müsste. Eine freie Preisbestimmung nach Angebot und Nachfrage wäre damit nicht mehr gegeben, da SV - NET den Preis bestimmen würde.

Problematisch wäre zudem, dass nun SV - NET die Sachverständigenkosten festlegen würde, während, was auch der Beklagten hinlänglich bekannt ist, die Sachverständigen nach BVSK abgerechnet werden können. Danach bestimmt sich das Grundhonorar nach der Schadenshöhe. Die Abrechnung nach BVSK ist zudem höchstrichterlich anerkannt. Auch das OLG München hat hierzu ausführlich, was der Beklagten bekannt ist, schon Position bezogen. Statt Klarheit zu schaffen, würde SV - NET zu einem Wettbewerb der Preise, allerdings nur nach unten, führen, ähnlich wie dies bereits im Rahmen der Mietwagenkosten zwischen Schwacke und Frauenhofer Liste der Fall ist.

Insoweit ist abschließend festzustellen, dass die Auswahl des Sachverständigen dem Geschädigten un d damit dem Kläger obliegt.

Desweiteren muss nicht der Kläger als Geschädigter den Streit der Versicherungen mit den Sachverständigen „ausbaden“. Das müssen vielmehr die Versicherung und damit die Beklagte mit dem Sachverständigen ggf. selbst; denn im Rah men der Abrechnung hat der Geschädigte nur eine Plausibilität der Sachverständigenrechnung vorzunehmen, so dass der Geschädigte selbst dann seine Sachverständigenkosten ersetzt erhält, sollten diese ausnahmsweise mal zu hoch sein.

Telefon 0800 500 50 25

 
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